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Zerreissprobe neon-orange1 2017 50x50cmTapetenwechsel2 2017 100x70cmKaro-Bube 4 2016 107x111cm
 

Wechselspiel zwischen autonomer Form und installativem und ortsbezogenen Charakter.
 

Meine Arbeit ist ein Wechselspiel zwischen autonomer Form und installativem und ortsbezogenen Charakter. Ich verhandle dabei stets zwischen guter und schlechter Form, Perfektion und Ungenauigkeit, Realismus und Abstraktion. Dabei verschiebe ich nach Belieben vom Persönlichen auf das Kollektive.

„Bewegung liegt allem Werden zugrunde“ schreibt Paul Klee in seiner Schöpferischen Konfession. Die Skulptur ist Bewegung, sie spielt eine große Rolle in meiner Arbeit; sie ist sowohl eine Zeichnung im Raum als auch ein Ausschneiden aus dem Raum (form follows action).

Durch gehen, springen, laufen, zeichne ich mit meinem Körper Linien, zerschneide ursprüngliche Botschaften und Erinnerungen, versuche neue Zusammenhänge zu schaffen und den Raum damit zu öffnen. Mein Körper wird zum Instrument und teilt den Raum in seine Bestandteile. Der Raum dient mir dabei nicht nur als Behälter sondern als Dialogpartner. Der Raum ist laut Gaston Bachelard „nicht etwas an sich Vorhandenes, sondern wird immer erst durch menschliche Taten hervorgebracht“.

Die Linie bedeutet die Verbindung zwischen Punkten im Raum und ist der visuelle Ausdruck des menschlichen Gedankens. Die Linie ist das Objekt mit dem ich spiele, sie macht das Unsichtbare sichtbar. Genau wie im künstlerischen Schaffungsprozess kommt es dabei zu einer Verschiebung von Energie. Ich überquere dabei Schwellen vom Inneren ins Äußere und wieder retour. Die Linie ist ein Zeitverlauf, Zeitverlauf bedeutet Entwicklung. Entwicklung ist ein wichtiger Begriff, da ich morgen nicht mehr der/die bin, die ich heute war. Hans Schabus schreibt "die Skulptur verbindet sich mit ihrer Umgebung, mit der Gegenwart und der Gesellschaft... die Skulptur brennt und der Raum löscht."

Die Materialien, die ich verwende, sind oft weggeworfene Dinge des täglichen Gebrauches. Ich benutze sie entweder als Vorlagen für meine Arbeiten oder ich integriere sie als Realitätsfragmente in meine Installationen. Dinge, die abgelehnt worden sind, bekommen sozusagen eine zweite Chance. Im künstlerischen Schaffungsprozess vollziehe ich, in dem ich aufhebe und einfüge, einen Versuch der Ordnung. Walter Benjamin benennt diese Umwertung des wertlosen zum wertfreien Gestaltungselement folgendermaßen: "kaum hält er die Dinge in den Händen, so scheint er inspiriert durch sie, scheint wie ein Magier durch sie hindurch in die Ferne zu schauen."

Um ausgetretene Pfade eines zu eindeutigen Denkens und Bewusstseins auszuweiten, möchte ich unbewusst Vorhandenes als Erfahrung wieder zu Tage treten lassen. Mein wichtigstes Anliegen ist es die Existenz, der Mensch in seinem Alltag mit seinen körperlichen und geistigen Bedürfnissen als plastisches Prinzip herauszuarbeiten und darzustellen. Die performativen Arbeiten ermöglichen es mir durch die Energieverschiebung gegen die Statik der gesellschaftlichen Realität zu agieren.

Ein großes Anliegen ist mir die völlige Offenheit der Arbeit und die freie Form der Realisation; ich lasse demzufolge kein Konzept zu. In der Fülle entsteht die Turbulenz, der Anfang des Neuen findet seinen Ursprung im Chaos.