Kontraste
Jean-Paul Dumas-Grillet, Renate Krätschmer, Brigitte Pamperl, Robert Staudinger
Ausstellung von Foto-Malerei zum Europäischen Monat der Fotografie
ZS art KunstRaum: 5.11. – 18. 12. 2010
zs art hat sich der konstruktiven Kritik am Sein, der nachhaltigen Verantwortung gegenüber dem Kostbarsten, dem Leben, verschrieben. Zur Umsetzung unserer Wertewelt haben wir anlässlich des Europäischen Monats der Fotografie vier FotokünstlerInnen eingeladen. Vier sehr unterschiedliche Zugänge, aber jeder auf seine Art, im Sinne unserer Maxime, dem Leben zugetan.
Das Interface von einem Raum in einen anderen, womöglich auf ein anderes Interface, ist das Thema von Jean-Paul Dumas-Grillet. Die minimalistischen Aussichten, die geometrischen Kompositionen strahlen eine enorme Stille aus. Nichts bewegt sich. Die Zeit ist hier für immer eingefroren. Fenster sind die Rahmen für Fenster gegenüber. Selbst das wogend schäumende Meer ruht sanft in sich. Jean-Paul formt aus den Strukturen realer Banalitäten und deren Schattenspiel grafisch strenge, abstrakte Gemälde.
Renate Krätschmer erzählt in ihren fotografischen „Verschichtungen” vom pulsierenden Großstadt-Dschungel. Fassaden, Lichter, Werbebotschaften in bis zu 16 Lagen über und übereinander geschichtet, willkürlich ausgeschnitten, farblich überhöht, verzerrt und in unterschiedlichen Transparenzen verdichten den orgeastischen Lebenshunger reizüberfluteter Metropolen. Renate Krätschmer reflektiert in diesem Bilderzyklus die Vielschichtigkeit unserer Wahrnehmung über eine gewisse Zeitstrecke. Sie reduziert in dem sie das Überangebot komprimiert. Den BetrachterInnen ihrer Fotomalereien verspricht sie eine schier unerschöpfliche Entdeckungsreise.
Brigitte Pamperl widmet sich in ihren Objekten und Bildern den lebensbedingenden Voraussetzungen Licht und Atem. In einem nach oben offenen Werkzyklus fixiert sie per Fotografie seit 2006 jeden Morgen den ersten Blick aus dem Fenster. Tag täglich erfreut sie sich an der immer neuen, das Lebensgefühl beeinflussenden Lichtstimmung des Himmels. Indem Sie unsere Atemluft zu einem außergewöhnlich anspruchsvollen Alltagskaro am Bildschirm flicht, dokumentiert sie eindrucksvoll mittels immer gleichem Motiv den Variantenreichtum des Lebes. Brigitte Pamperl kommentiert in ihren geometrischen Kompositionen Zeit zeitlos, den Himmel luftig transparent.
Robert Staudinger konzentriert sich auf die Oberflächen, die umwerbenden Hüllen, die wir als Sein wahrnehmen und dabei auf das Dahinter vergessen. Sei es aus Faszination für die Vielfältigkeit des Scheins oder einfach nur aus Mangel an Zeit für den Aufwand des Involvierens. Seine scharfen, hyperrealen Gesichtslandschaften, die am Computer eine minutiös synthetische neue Unwirklichkeit erfahren, erscheinen wie aus einer anderen Welt. Schön, glänzend, unpersönlich, fern. Es sind bewusst keine Portraits, die den Charakter eines Individuums verdeutlichen, sondern ganz im Gegenteil jeden Bezug zum Mensch dahinter anonymisieren. Robert Staudinger schickt den Betrachter auf eine Expedition wo keine Pore, kein Härchen dem Zufall überlassen wurde. Selbst immer wieder versteckte Disharmonien der Natur sind perfekt inszeniert.
So unterschiedlich die Konzepte der 4 Fotografen sind, sie inszenieren malerisch poetisch, überbordend und reduziert jedes auf seine Weise Alltägliches, das wir gar nicht mehr richtig wahrnehmen, dabei entgehen uns Feuerwerke der Sinnlichkeit.
Kontraste im ZS art KunstRaum, Westbahnstr. 27–29, 1070 Wien:
Mo – Fr 11 – 19 Uhr
sowie nach telefonischer Vereinbarung
Pressefoto CMYK




