09/2009 SCHNEE VON MORGEN
Skulpturen, Texte, Zeichungen, Bilder, Installationen von Heinz Baumüller
18. 09. - 17. 11. 2009
Der Staat bin ich. Dieser Ausspruch des absolutistischen Monarchen Louis XIV. mag auch für den Künstler Heinz Baumüller gelten – in völlig gegensätzlicher Lesart freilich: Der Satz, der den Sonnenkönig als Despoten klassifiziert, mag im Sinne von Heinz Baumüller – diesem seit fast dreißig Jahren in Düsseldorf lebenden Oberösterreicher und Weggefährten Joseph Beuys’ – für jeden von uns gelten. Das Volk, der Mensch, der Künstler ist der Souverän, ist ein politisches Wesen, sein Werk ein politisches Statement. Heinz Baumüller bezieht Stellung. In seinen Aktionen, Installationen, Skulpturen, Fotodokumentationen, Plakaten, in Bild und Text – im öffentlichen Raum, in „art-fremder“ Umgebung wie ehemaligen Raketenstationen, Klosterzellen, in Wahlkämpfen um das Amt zum österreichischen Bundespräsidenten wohl aber auch im Rahmen von Bildhauer-Symposien oder den Räumlichkeiten einer Galerie.
Von 18. September bis 17. November 2009 zeigt der ZS art KunstRaum Heinz Baumüllers eigenartig lustvolle, sehr pointierte Form der Gesellschaftskritik zum ersten Mal seit 1992 in Wien. In SCHNEE VON MORGEN präsentiert Heinz Baumüller eine Zusammenschau seiner zu Reflexion und Interpretation animierenden Texte und Skulpturen. Auf den ersten Blick widersprüchlich und doppelsinnig, auf den zweiten ironisch hintergründig löst das liebenswürdig anarchistische Werk Baumüllers im Geist des Betrachters eine Kette von Reaktionen und Assoziationen aus. Denn mit einem Augenzwinkern, mit unverfälschtem Spaß an anregendem Un-Sinn demaskiert der Künstler Plattitüden, eingefahrene Verhaltens- und Denkschemata, oberflächliche, inflationär gebrauchte Allgemeinplätze. Mit seiner Methode des minimalistischen, grafisch präzisen, aber ideologisch folgenreichen Eingriffs in Bestehendes, in Alltägliches ringt Heinz Baumüller dem Publikum zuerst ein Schmunzeln ab, dann ein nachdenkliches Stirnrunzeln. Die ironischen Aphorismen, entwaffnenden Wortschöpfungen und Skulpturen des unermüdlichen Freigeistes Heinz Baumüller schärfen unseren Sinn nach Freiheit und Selbstverantwortung. Zwei Punkte können Läppisches in ein im wahrsten Sinne des Wortes Lapidares verwandeln. Ironie und Humor sind Baumüllers wichtigste Werkzeuge, um dem sich intellektuell darauf einlassenden Betrachter seine liberale, menschliche Wertewelt zu eröffnen. Damit setzt Baumüller jenen individualistischen, aufmerksam kritischen Weg auf eigenwillig ästhetische Weise fort, den Joseph Beuys sein künstlerisches Leben lang zelebrierte.
In SCHNEE VON MORGEN fordert Heinz Baumüller einmal mehr vehement die Reflexion des Betrachters ein. Denn erst die Reaktion der Rezipienten vervollständigt sein symbolhaftes, puristisches Œuvre. Der stille Dialog zwischen Werk und Betrachter gerät zu einem wirbelnden Gedankenaustausch, in dem auch durch jahrelange Praxis erfolgreich kultiviertes Desinteresse bedingungslos kapituliert.
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