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"Das Böse hinter der Nase"

Claudia Aigner, Wiener Zeitung, 16.10.2013

Wie nennt man das, was der Robert Staudinger da macht? Sauberer Aktionismus? (Sonst hinterlassen Aktionskünstler ja immer überall Flecken.) Nein, das ist kein Witz. Wollte ich einen Aktionistenwitz erzählen, würde ich schreiben: Kommt ein Aktionist in eine Bar, verschüttet seinen Drink und geht wieder. Hä? Die Pointe versteh ich nicht. (Ist das überhaupt eine?) Die fulminanten Bewegungsstudien aus der Serie "Instabile Körper" sehen jedenfalls aus wie die hygienische Antwort auf Hermann Nitschs Schüttbilder (die die Hämodynamik untersuchen, die Bewegung des Blutes). Halt mit trockenen Blutstropfen. Zwei Assistenten schleudern also buntes Granulat aus vollen Kübeln in die Luft, während der Künstler den schwungvollen Formationen mit dem Fotoapparat auflauert, bevor die Schwerkraft die Partikel, die in diese ätherischen Massenkarambolagen verwickelt sind, mit sich zu Boden reißt. Spektakulär. Die Aufnahmen sind geradezu hyperrealistisch. Mindestens. Weil fotorealistische Fotos kann jeder machen. Sogar die Schönheitsfehler sind bei diesem Perfektionisten makellos. (Na ja, er kommt aus der Werbung. Und den Zufall kann man doch nicht einfach dem Zufall überlassen.) Einmal hat sich ein winziger roter Punkt in zehn Kilo Belugalinsen hineinverirrt, und der pickt nun genau im Bildzentrum. Eine geniale Überleitung zu den langzeitbelichteten Grimassen mit Clownsnase (Letztere klebt ja bekanntlich mitten im Gesicht). Pittoreske Porträts vom Bösen hinter der roten Nase. Den unlustigen Komikern sind nicht nur die Gesichtszüge aus den Schienen gesprungen, in diesen entstellten Gfrießern sind ja ganze ICE-Züge entgleist. Für Coulrophobiker, Personen mit krankhafter Angst vor Spaßmachern, ist ein Besuch in der zs art Galerie wirklich nicht zu empfehlen. Allen andern schon.


 

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