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Der Bildhauer über seine aktuellen Ausstellung "Poesie der Logik"
19. 6 - 5. 9. 09:

Schon von meinem Naturell her neige ich nicht zur Üppigkeit. So ist auch meine Arbeit der Versuch, mit der minimalsten Veränderung, mit der geringsten Reduzierung des Volumens, eine Bewegung, eine Verschiebung, eine Schwingung zu erreichen. Ich strebe nach Ruhe in der Bewegung und Bewegung in der Ruhe. Alt-ägyptische Statuen etwa strahlen diese Kraft, diese sakrale Energie aus. Die Teile und Mittel, die ich verwende, stehen zueinander in Beziehung und bilden eine Einheit. Struktur entsteht – nichts kann weggenommen, nichts hinzugefügt werden. Ich arbeite auf das Wesentliche hin. Form und Inhalt verschmelzen.

Für "Poesie der Logik" habe ich meine Steinskulpturen in Holz und kleinerem Format neu interpretiert. Endlich bin ich so weit, auch Skulpturen für den "Hausgebrauch" zu schaffen. Aus der strengen, bildhauerischen Logik soll dem Betrachter schließlich ein Gegenüber erwachsen. Was ich will, ist eine Skulptur, die mich ansieht und die ich ansehe!

Überlegungen zu den Zeichnungen (60 x 48 cm, Grafit, Kreide, Filzstift)

mit dem Titel: System-Kontrapunkt/Synthese

von Marina Marsilio (Philosophin, Schriftstellerin)

Wie das bildhauerische Werk, so ist auch die Zeichnung von Walter Angerer-Niketa in der Moderne verankert; ihrem Ausgangspunkt und ihren Visionen über die Reiweite der Postmoderne hinaus verpflichtet. Hier jedoch erlaubt sich der Künstler einem Spiel der Irritationen Dynamik zu verleihen.
Trotz Strenge und Genauigkeit von Linie und Schnittpunkt, die ihm bisher und fortan als Entwurf für seine Skulpturen dienen, versucht er die Linie zu befreien, um zu betrachten, das in ihrem Prozess möglich ist. Der Künstler verlässt hier die übliche Formanalyse, lässt die rote Linie spielen, mystifiziert sie, verleitet sie zur Irritation des gesamten Systems. In drei verschiedentlich angelegten Dimensionen: „Raster/Ausbruch, Symmetrie/Assymetrie und Synthese/Antithese“, zu jeweils paarweise auftretenden Zeichnungen, versucht der Künstler aus dem System auszubrechen. Diese Möglichkeit ist jedoch höchstens als Öffnung im System selbst gegeben. Trotz zufälligen und spielerischen Momenten gibt es für die Linie, wenn sie nicht willkürlich sein will, keinen Ausweg aus dem Strukturprozess. Ihre Repräsentanz für die Untersuchung der Struktur im Hinblick auf das Räumliche bleibt erhalten. Das Prozessuale bestimmt die zeichnerische Arbeit und strebt nach Synthese. Dem Künstler bleibt jedoch der Genuss, das System des Symbolischen mit minimalen grafischen Mitteln zeitlich zu irritieren und damit die Möglichkeit des Ausbruchs anzudeuten. Das Systematische beherrscht die zeichnerische Arbeit, denn eine Untersuchung der Struktur benötigt ein System, um nicht verworrene Zufallsformen zu kreieren. Das ist und bleibt die Sache des zeichnerischen Willens im bildhauerischen Schaffensprozess. Die Zeichnung aber, so Angerer-Niketa, erlaubt immer ein spielerisches Moment, um das weitere Prozessuale am Entwerfen für das jeweils möglich Plastische zu befruchten.